30 Jahre Tschernobyl – Gedenkfeiern am Rande der verstrahlten Zone

Am 25. Und 26. April wurde in der ehemaligen Kolchosenstadt Choiniki, am Rande der verstrahlten Zone, der Reaktorkatastrophe von vor dreißig Jahren gedacht.

Nur 60 km liegt das Stadtzentrum vom havarierten Atomkraftwerk entfernt. Der Schlagbaum zum verstrahlten Niemandsland ist gerade mal einige Kilometer entfernt. Hinter diesem Schlagbaum hat sich die Natur das Land zurückerobert. Die Gefahr durch die überall vorhandenen und extrem gefährlichen Radionuklide spürt man hier. Man spürt sie nicht nur! Ein metallischer Geschmack legt sich auf die Zunge, wenn man in der Zone ist. Man schmeckt die Radioaktivität.

Uns verbindet eine lange Geschichte mit dieser Stadt. Bereits vor über zwanzig Jahren kamen aus dieser Stadt die Kinder zu Erholungsaufenthalten in Gastfamilien  im Emsland und in die Grafschaft Bentheim. Wir selbst reisten zum ersten Mal vor 18 Jahren hierher.

Eingeladen vom Bürgermeister hatten wir uns am 23. April auf den Weg begeben, um an den Gedenkfeiern teilzunehmen. Am 25. April wurde abends am Denkmal für die begrabenen Dörfer der Katastrophe gedacht. Es wurden Reden gehalten und es wurde erinnert; erinnert an die Katstrophe die das Leben der Menschen hier so plötzlich und umfassend bis zum heutigen Tag verändert hat.

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Am Dienstag, dem 26. April 2016 war das Wetter genau wie vor dreißig Jahren. Es war kalt und es regnete.

Der Nachstellung der Ereignisse, die für Mittags geplant war, gingen wieder Reden und Kranzniederlegungen voraus. Ehemalige Liquidatoren, verantwortliche des Katastrophenschutzes, Leiter ausländischer Hilfsorganisationen kamen zu Wort bevor symbolisch die Feuerwehr anrückte um den Brand im Reaktor zu löschen.

Das erinnerte an die jungen Leute, die vor drei Jahrzehnten voller Tatendrang in den Einsatz gingen und kurze Zeit später an der Strahlenkrankheit verstarben. Begraben wurden sie in Moskau unter Bleiplatten, weil ihre Körper so sehr strahlten.

Es folgten Schulbusse mit Kindern. Sie müssen halten am Schlagbaum um gemessen und dekontaminiert zu werden. Bei vielen Anwesenden –  insbesondere bei den älteren Menschen – kommen die Erinnerungen hoch. Viele haben Tränen in den Augen.

Der Fokus der Veranstaltungen lag auf der „Wiederauferstehung“ der Region, die hoffnungsvolle Zukunft und die positive Entwicklung der Stadt. Das soll den Menschen Mut machen, täuscht aber nicht über die Alternativlosigkeit hinweg.

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„Wo sollen wir hin? Wir haben keine Alternative! Also leben wir hier!“ hörten wir immer wieder in den Familien, die wir besuchten. Die Angst vor den immer wieder aufkommenden Waldbränden im Sommer, wenn die Radioaktivität aufgewirbelt wird und neu über das Land verteilt wird …. die Angst um die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Kinder …. die Angst verseuchte Nahrung zu essen. „Wenn man immer daran denkt, dann wird man verrückt!“ sagte uns ein guter Freund.

Auch wenn das Wetter ähnlich ist; es ist anders als vor dreißig Jahren! In vielen Familien sind heute Krankheiten wie Krebs, Herzfehler, Diabetes, Kreislauferkrankungen und auch die Angst der ständige Begleiter.

Die Katastrophe von Tschernobyl dauert an. Sie ist noch lange nicht vorbei. Vielleicht verdrängt aus den Köpfen der Menschen und aus den Medien, aber nicht für die Menschen, die täglich mit den Folgen leben müssen. Menschen wie Du und ich !

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