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Gegen das Vergessen

Kennen wir das nicht alle? Es geschieht eine schreckliche Katastrophe und nach einigen Wochen spricht niemand mehr davon? In den Medien ist das Interesse nach ein paar Wochen durch die ständige Aktualität der Berichterstattung schneller verdrängt als die Folgen der Unglücke überhaupt greifbar werden. Bei den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima war das nicht anders.

Wie die Folgen in der Realität aussehen, das können wir als aktiv Arbeitende am Rande der belasteten Gebiete in der Tschernobyl Region sehr gut beurteilen. Nicht aufgrund von Studien oder Statistiken, sondern aufgrund von persönlichen Erfahrungen aus fast zwanzig Jahren Reisen in diese Region. Der Kontakt mit den Menschen in den belasteten Gebieten, die  dahinter stehenden menschlichen Schicksale und Lebensgeschichten die wir während der vielen Jahre gesehen haben sprechen Bände.

Ein Grund für uns, uns auch mal mit der anderen Seite, der statistischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema zu widmen.

„5 Jahre Leben mit Fukushima – 30 Jahre Leben mit Tschernobyl“, das war der Titel des Kongresses der IPPNW (IPPNW = Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/ Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) der Ende Februar in Berlin stattfand.

Quelle: IPPNW

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und Vorsitzender der deutschen IPPNW-Sektion, beschrieb in seiner Eröffnungsrede unter dem Titel „Leben mit der Bedrohung“ eindrucksvoll die Bilder, die viele von uns noch vor Augen haben als vor dreißig Jahren die Atomkatastrophe in Tschernobyl seinen Lauf nahm und vor fünf Jahren die Bilder aus Fukushima um die Welt gingen:

„Wir sind nicht bereit, zu vergessen – Den 26. April 1986: der brennende Reaktorrumpf, die hilflosen Rettungskräfte, junge Menschen aus der gesamten Sowjetunion, die mit bloßen Händen strahlende Schuttteile über das Dach des Reaktorgebäudes trugen – als menschliche Roboter, weil elektrische Geräte wegen der hohen Strahlung nicht funktionierten; die radioaktiven Wolken, die quer über Europa zogen – dem Zufall der Windrichtung folgend; Kinder mit Fehlbildungen, Menschen mit Krebs …

Wir sind nicht bereit, zu vergessen – Den 11. März 2011: Erst das Erdbeben, kurz darauf der gigantische Tsunami und dann die Meldung: „Im Atomkraftwerk Fukushima Dai-Ichi ist die Kühlung ausgefallen“. Ein Reaktor nach dem anderen explodiert – fliehende Menschen, Chaos, Verzweiflung, Babys, die mit Geigerzählern auf Strahlung untersucht werden, leere Geisterstädte, Kinder, die mit Strahlenmessgeräten zur Schule gehen oder auf ihre Schilddrüsenuntersuchung warten, Hügellandschaften aus blauen Säcken kontaminierter Erde und Menschen, die alles verloren haben und vor den Trümmern ihrer Existenz stehen.

Diese Bilder haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt und können nicht ungeschehen gemacht werden. Sie dürfen nicht vergessen werden.“

Die Auswirkungen dieser beiden Katastrophen auf den Menschen und unsere Umwelt wurden in vielen Vorträgen und Podiumsdiskussionen thematisiert und diskutiert. Führende Wissenschaftler und Fachleute aus Deutschland, Großbritannien, Australien, Finnland, der Schweiz, den USA, Japan und Weißrussland stellten die neuesten Forschungsergebnisse vor. Die Auswirkungen der Strahlung auf die Gene, auf unsere Umwelt, auf die soziale Situation der Betroffenen in den belasteten Gebieten aber auch auf uns, die weit weg von den Unfallorten wohnen und leben wurde deutlich gemacht. Aber auch die hohen Risiken und Auswirkungen der gesamten atomaren Kette wurden intensiv beleuchtet und über Lösungen diskutiert.

Wir konnten für uns eine sehr wichtige Erkenntnis mitnehmen, nämlich dass unsere Erfahrungen über die gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastophe inzwischen in vielen Studien eindeutig nachweisbar sind.

Wir wollen in diesem Artikel keinen Kongress zusammenfassen, der ein ganzes Wochenende gedauert hat. Wir wollen hinweisen auf die vielen guten Vorträge und Präsentationen, die zum Thema auf der Webseite www.tschernobylkongress.de zum Download zur Verfügung stehen. Zusammengefaßt hat die IPPNW die Ergebnisse der vielen verschiedenen Studien im IPPNW Report „30 Jahre Leben mit Tschernobyl – 5 Jahre Leben mit Fukushima / Gesundheitliche Folgen der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima“. Dieser ist ebenfalls auf der Webseite als Download erhältlich oder aber über diesen direkten Link www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/IPPNW_Report_T30_F5_Folgen_web.pdf.

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Es lohnt sich für alle die in diesem Gebiet tätig sind oder auch einfach nur interessiert sind, diesen Report zu lesen.

 

 

 

Die Idee

Die Situation von jungen Menschen mit Behinderung in ehemals kommunistischen Staaten ist besonders schwierig. Als Kinder leben sie in Kinderheimen und sobald sie das achtzehnte Lebensjahr vollendet haben, werden Sie teilweise zusammen mit alten Menschen in Altenheime untergebracht. Eine Förderung dieser Menschen erfolgt nicht, geschweige denn, dass eine Schulausbildung angeboten wird. Diese Menschen sind oft nicht in der Lage einfachste Entscheidungen zu treffen, obwohl sie teilweise geistig ohne weiteres das Potential zu weit mehr hätten und auch haben.

Ziel unseres Vereins ist die Heranführung von diesen Menschen an ein normales Leben in der Gesellschaft. Hierzu ist in den vergangenen Jahren u.a. das Behindertenheim Vasilievka in der Nähe von Gomel behindertengerecht ausgestattet worden. Weiterhin wurde durch irische Spendengelder ein Haus inmitten eines normalen weißrussischen Dorfes errichtet, wo die jungen Menschen mit Behinderung auf ein selbstständiges Leben in der Gesellschaft vorbereitet werden. Hier werden Sie in einer 24 Stunden Betreuung gefördert und sie lernen die Dinge, die sie für das Leben in der Gesellschaft benötigen. Der Name ‚Chance auf Leben‘ wurde ganz bewusst gewählt um zu zeigen, dass es uns darum geht, Menschen eine Chance auf ein normales Leben zu geben, die ansonsten diese Chance nicht gehabt hätten.

Die Finanzierung dieser Institutionen ist inzwischen durch das Staatsbudget weitgehend sichergestellt. Die Hilfeleistung unsererseits beschränkt sich deshalb auf die Dinge, die benötigt werden, für die aber keine finanziellen Mittel im Budget vorgesehen sind. Im Gegenzug haben wir die Hilfe über Hilfstransporte ausgeweitet und helfen somit vielen Familien und Institutionen direkt und unkompliziert mit Kleidung, Rollstühlen, Krankenhausbetten und vielen weiteren benötigten Hilfsgütern.

Belarus und Tschernobyl

Belarus wurde durch die Tschernobyl-Katastrophe im Jahre 1986 am meisten betroffen, obwohl das havarierte Kraftwerk auf ukrainischem Territorium steht. Die Windrichtung zum Zeitpunkt des Gaus hat dazu geführt, dass ein Großteil des radioaktiven Fallouts auf belarussischem Territorium landete. In Belarus sind 30 % des gesamten Landes radioaktiv belastet, dies entspricht einer Fläche von ca. 62400 km².

Belarus und Tschernobyl

Von der Katastrophe und ihren Folgen sind in Belarus direkt 2,5 Millionen Menschen betroffen. Weitere 6,5 Millionen Menschen in Russland und in der Ukraine. Offizielle Berichte der betroffenen Länder sprechen alleine von 25.000 Toten unter der Gruppe der Liquidatoren (Quelle: staatliche Stellen der 3 betroffenen Staaten). Die ukrainische Botschaft berichtet 2005, dass 94 % der so genannten Liquidatoren heute krank sind. Es waren in den Jahren nach der Katastrophe zwischen 600.000 und 1.000.000 Menschen zur Beseitigung der Folgen der Reaktorkatastrophe im Einsatz. Weiterhin sind 84 % der ca. 3 Millionen Menschen, die in der Ukraine radioaktiver Strahlung ausgesetzt waren krank. Die Krebsrate in der Republik Belarus hat sich nach dem Gau um 40 Prozent erhöht (Quelle: weißrussisches Krebsregister). Dies sind nur einige Zahlen, die aus der Metastudie ’20 Jahre nach Tschernobyl‘ der Organisation IPPNW entnommen wurden.

Quelle: http://www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Tschernobyl_Studie_2011_web.pdf

Die Hilfe in diesen Gebieten ist auch 26 Jahre nach dem Unfall immer noch aktuell. Insbesondere die Spätfolgen der Niedrigstrahlung kommen teilweise erst jetzt zum Vorschein. Auch ist die Verseuchung mit Cäsium 137 und Strontium 90 noch über Jahrzehnte gegeben. Die Gebiete werden über Jahrhunderte unbewohnbar bleiben.

Für nähere Informationen sind wir gerne bereit, nach Terminabsprache ausführlicher zu diesen Themen zu berichten. Da wir seit mehr als 15 Jahren die belasteten Regionen besuchen, können wir nicht nur aus Studien berichten, sondern auch aus unserer ganz persönlichen Erfahrung heraus.

Unsere Partner …

Seit Juni 2013 arbeiten wir mit der Hilfsorganisation „White Dove over Chernobyl“ zusammen. Die Organisation betreut mehr als 200 sozial schwache und durch Krankheit und Behinderung belastete Familien, wickelt Hilfstransporte ab und hat fünfzehn Jahre Erfahrung in der humanitären Arbeit im Gomeler Gebiet. Auch Kindererholungsaufenthalte wurden organisiert und durchgeführt.

Die guten Erfahrungen der letzten Jahre, insbesondere die unkomplizierte und harmonische Abwicklung von inzwischen fünf Hilfstranporten bestätigen uns in der Auffassung, den richtigen Partner gefunden zu haben. Direktorin und gute Seele der Organisation ist Viktoriya Yakuvleva.

Über uns …

Der Verein „Chance auf Leben e.V.“ ist durch eine Gruppe von Gastfamilien aus Salzbergen und Umgebung, die teilweise bereits seit mehr als  20 Jahren in der Tschernobylhilfe tätig sind, im Dezember 2008 gegründet worden. Einige der Gründungsmitglieder waren im August des Jahres 2008 im Rahmen einer Gastelternreise in Weißrussland, dem durch die Tschernobylkatastrophe von 1986 am meisten betroffenen Land. Einige von uns konnten sich während dieser Fahrt erstmals ein Bild von der Situation der Menschen vor Ort machen und insbesondere auch sehen, wie gezielte Hilfe zu Verbesserungen der Lebensbedingungen der dort lebenden Menschen beitragen kann.

Es hat uns insbesondere beeindruckt, wie diese gezielte Hilfeleistung zu Perspektiven für Menschen führt, die im dortigen politischen System ansonsten keine Chance auf eine lebenswerte Zukunft gehabt hätten.

Gastelternreise 2008 - Bild-Nr.0590

Die Gruppe der Gastelternreise 2008

Dies trifft insbesondere auf Menschen mit Behinderung zu. Wir haben anfangs mit unserer irischen Partnerorganisation „StudentAid Chernobyl“ die bereits laufenden Projekte vorangetrieben. Seit der Wirtschaftskrise in Irland war die Verantwortlichkeit für die Projekte allein bei uns. Die Finanzierung der betreuten Institutionen wird inzwischen durch das Staatsbudget weitgehend sichergestellt, so dass wir uns seit einiger Zeit gezielter auf Hilfeleistungen für Familien mit behinderten Kindern und auf unsere Hilfstransporte konzentrieren. Diese bringen direkt benötigte Hilfe in die Familien und Institutionen.

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