Archiv der Kategorie: Reisen nach Belarus

Gastelternreise 2018

Gemeinsam mit den Organisatoren der Kinderaktion der ev.-luth- Landeskirche Hannover für das Emsland und die Grafschaft Bentheim bieten wir im nächsten Jahr vom 12. bis zum 19. September eine Gastelternreise an.

Neben der Möglichkeit, die eigenen Gastfamilien zu besuchen werden verschiedene Institutionen besichtigt. Das genaue Programm der Reise wird derzeit erarbeitet.

Alle Interessenten sind aufgerufen, sich so bald wie möglich bei uns zu melden. Weitere Informationen zum Programm gibt es bald an dieser Stelle und auch in unserem nächsten Newsletter.

Gomelreise motiviert für weitere Hilfeleistung !

Gute konstruktive Gespräche, viele neue Eindrücke und wieder mal die Bestätigung, wie wichtig die von uns geleistete Hilfe für die Menschen vor Ort ist ! So könnte man kurz die Ergebnisse der Gomelreise im Juni zusammenfassen.

Ein wichtiges Ziel der Reise war es, einen besseren Einblick in die tägliche Arbeit unserer Partner im Sozialprojekt zu bekommen. Das Ende letzten Jahres angelaufene Projekt war für unsere Partner und für uns von Anfang an sehr wichtig. Vor Ort konnten wir uns überzeugen, wie wichtig die Unterstützung für die betreuten Familien ist. Neben der materiellen und psychologischen Hilfe wurde das Vorhandensein eines Ansprechpartners in schwierigen Situationen als große Erleichterung empfunden. Nicht alleine zu sein mit den vielen Problemen wurde von den Müttern der schwerstbehinderten Kinder als sehr große Hilfe wahrgenommen.

Mit einigen unterstützten Familien konnten wir während der Reise sprechen, so dass wir uns auch einen genaueren Eindruck von den individuellen, schwierigen Lebenssituationen machen konnten. Diese Eindrücke sind Motivation für uns dieses Projekt voran zu treiben und auszuweiten.

Natürlich durften auch die Besuche bei unseren befreundeten Institutionen, dem Heim für Behinderte und Veteranen „Vasilievka“ in der Nähe von Gomel, dem Dominic-Haus in Retchiza und bei der Schule Nr.3 in Choiniki nicht fehlen. Eine Fahrt in die verstrahlte Zone in das Dorf Babtschin, der Besuch des dortigen Museums und die Besichtigung der Bienen- und Pferdezucht in der verstrahlten Zone waren weitere besondere Momente während dieser Reise. Nicht nur weil drei Tage zuvor der weißrussiche Präsident Aleksander Lukaschenko zu Besuch an diesem Ort war.

Die Besichtigung unseres neuen Zolllagers – in dem noch unser Hilfstransport aus März auf die Freigabe wartete – und ein Besuch bei einer landwirtschaftlichen Schule in dem Dorf Pribor in der Nähe von Gomel standen ebenfalls auf dem Programm. Natürlich haben wir uns auch mit unseren langjährigen Freunden in Gomel, Choiniki und Saschebje getroffen.

Insgesamt festigt sich nach der Reise bei uns immer mehr der Eindruck, dass viele Verantwortliche mehr und mehr alleine gelassen werden mit ihren Problemen. Grundlegende Instandhaltungsarbeiten können in den verschiendenen Institutionen aufgrund fehlender Finanzmittel nicht durchgeführt werden, wichtige Dinge zum täglichen Leben sind kaputt und können nicht ersetzt werden.

Eine Reise mit vielen Erlebnissen die zum Nachdenken anregen, allerdings auch mit vielen guten Momenten.

Teilnehmer der diesjährigen Reise waren neben den Mitgliedern des Vorstandes, Thomas Küpker, Nastassia Küpker und Johan Schmits unsere Mitglieder Dieter Möllmann und Marja Veltman.

Termin für diesjährige Gomelreise festgelegt

Der Vorstand hat den Termin für die diesjährige Gomelreise auf den 17.06.2017 bis zum 24.06.2017 festgelegt. Interessenten melden sich bitte bis zum 10.03.2017 beim Vorstand.

Endlose Straßen auf dem Weg nach Choiniki

Das Programm wird unter Berücksichtigung der Wünsche der Mitreisenden gemeinsam abgestimmt. Neben Besuchen bei unseren unterstützten Institutionen steht u.a. ein Besuch in der gesperrten Zone, der Besuch von unterstützten Familien und ein Tag in der Hauptstadt Minsk auf dem Programm.

Wir freuen uns auf Eure Teilnahme!

Visafreiheit für Kurzzeitaufenthalte in Belarus

Ab 12. Februar 2017 tritt in Belarus für ausländische Kurzzeitreisende die Visafreiheit in Kraft.

Der Erlass Nr. 8 über visafreie Ein- und Ausreisen für Ausländer wurde am 11. Januar 2017 veröffentlicht. Das Dokument tritt in der Regel einen Monat nach seiner offiziellen Veröffentlichung in Kraft. Somit können ab dem 12. Februar 2017 Bürger aus 80 Staaten, die für maximal 5 Tage nach Belarus einreisen, laut dem Erlass ohne Visum nach Belarus kommen.

Eine touristische Reise nach Belarus lohnt sich alleine schon wegen der wunderbaren Natur

Die Details zur Neuregelung wurden am 10. Januar bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vertretern des Außenministeriums, Innenministeriums, Grenzschutzkomitees und des Ministeriums für Sport und Tourismus bekannt gegeben. Der Erlass erstreckt sich auf 39 europäische Staaten, sowie auf Brasilien, Indonesien, die USA, Japan und andere Staaten. Die visafreie Einreise nach Belarus gilt allerdings nicht für die Ausländer, die von russischen Flughäfen ins Land kommen.

Das Staatliche Grenzkomitee ist auf den Zustrom von Auslandstouristen vorbereitet, erklärte der Verwaltungsleiter für die Grenzkontrolle des Staatlichen Grenzkomitees, Oleg Ljaschuk, am 10. Januar der Nachrichtenagentur BelTA. „Wir sind bereit, den wachsenden Strom ausländischer Bürger an der Grenzübergangsstelle im Nationalflughafen Minsk abzufertigen. Wir können – falls notwendig – auch zusätzliche Arbeitsplätze einrichten“, bemerkte er.

Viele Berichte sprechen dafür, dass der Tourismus und damit die Erleichterungen bei der Einreise in Belarus in der Zukunft eine größere Bedeutung bekommen wird. So fanden unlängst Gespräche zwischen Vertretern der belarussischen Seite mit französischen Partnern in Paris statt, wo es um die Ausweitung des Öko-, Fahrrad-, Fluss-, Sport- und Kulturtourismus in Belarus ging.

Die durch die Änderung wegfallende Vorabkontrolle der Einreisenden bei Visabeantragung und Visaerteilung durch die Botschaft führt bei den Verantwortlichen dennoch zu einigen zusätzlichen Fragestellungen. So hat das belarussische Innenministerium mit russischen Diensten zusätzliche Maßnahmen gegen den Missbrauch der Visafreiheit für ausländische Bürger getroffen. „Zusammen mit russischen Kollegen treffen wir die zusätzlichen Maßnahmen, um den Missbrauch der Visafreiheit zu vermeiden“, unterstrich Alexej Begun , der Leiter des Departements für Staatsbürgerschaft und Migration des belarussischen Innenministeriums gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur BELTA.

Laut Begun werde die Frage über die Kontrolle des Aufenthalts der ausländischen Bürger im Unionsstaat im Arbeitsausschuss des Innenministeriums von Belarus und Russland erörtert. Das Innenministerium sei für die Kontrolle der Ausländer in Belarus zuständig, die über den Nationalflughafen Minsk kommen würden. „Wir werden Informationsressourcen nutzen, um die Ein- und Ausreise jeder Person im Rahmen des visafreien Bereiches zu kontrollieren“, erläuterte Alexej Begun. Sicherlich ist dieses im Hinblick auf die Reisefreiheit zwischen Russland und Belarus notwendig und verständlich.

Das Sportministerium prognostiziert nach Abschaffung der Visumspflicht 20% mehr Touristen in Belarus. Das belegen auch Zahlen aus der Vergangenheit. Vor einiger Zeit hatte Belarus die Visumspflicht für die Staatsbürger Israels, der Türkei und einiger anderen Staaten abgeschafft. Seit der Abschaffung der Visumspflicht verdoppelte sich die Zahl israelischer Touristen, die Zahl türkischer Touristen stieg um das 1,5-fache.

Quellen:

http://deu.belta.by/politics/view/visafreier-kurzzeitaufenthalt-in-belarus-gilt-ab-12.-februar-2017-29167-2017/

http://deu.belta.by/society/view/grenzkomitee-bereit-zur-vergroserung-des-touristenstroms-im-nationalflughafen-minsk-29171-2017/

http://deu.belta.by/society/view/tourismuspotenzial-von-belarus-in-sitzung-in-paris-erortert-29262-2017/

http://deu.belta.by/politics/view/ausenministerium-spricht-von-hohem-interesse-der-auslander-an-visafreier-einreise-nach-belarus-29177-2017/

30 Jahre Tschernobyl – Gedenkfeiern am Rande der verstrahlten Zone

Am 25. Und 26. April wurde in der ehemaligen Kolchosenstadt Choiniki, am Rande der verstrahlten Zone, der Reaktorkatastrophe von vor dreißig Jahren gedacht.

Nur 60 km liegt das Stadtzentrum vom havarierten Atomkraftwerk entfernt. Der Schlagbaum zum verstrahlten Niemandsland ist gerade mal einige Kilometer entfernt. Hinter diesem Schlagbaum hat sich die Natur das Land zurückerobert. Die Gefahr durch die überall vorhandenen und extrem gefährlichen Radionuklide spürt man hier. Man spürt sie nicht nur! Ein metallischer Geschmack legt sich auf die Zunge, wenn man in der Zone ist. Man schmeckt die Radioaktivität.

Uns verbindet eine lange Geschichte mit dieser Stadt. Bereits vor über zwanzig Jahren kamen aus dieser Stadt die Kinder zu Erholungsaufenthalten in Gastfamilien  im Emsland und in die Grafschaft Bentheim. Wir selbst reisten zum ersten Mal vor 18 Jahren hierher.

Eingeladen vom Bürgermeister hatten wir uns am 23. April auf den Weg begeben, um an den Gedenkfeiern teilzunehmen. Am 25. April wurde abends am Denkmal für die begrabenen Dörfer der Katastrophe gedacht. Es wurden Reden gehalten und es wurde erinnert; erinnert an die Katstrophe die das Leben der Menschen hier so plötzlich und umfassend bis zum heutigen Tag verändert hat.

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Am Dienstag, dem 26. April 2016 war das Wetter genau wie vor dreißig Jahren. Es war kalt und es regnete.

Der Nachstellung der Ereignisse, die für Mittags geplant war, gingen wieder Reden und Kranzniederlegungen voraus. Ehemalige Liquidatoren, verantwortliche des Katastrophenschutzes, Leiter ausländischer Hilfsorganisationen kamen zu Wort bevor symbolisch die Feuerwehr anrückte um den Brand im Reaktor zu löschen.

Das erinnerte an die jungen Leute, die vor drei Jahrzehnten voller Tatendrang in den Einsatz gingen und kurze Zeit später an der Strahlenkrankheit verstarben. Begraben wurden sie in Moskau unter Bleiplatten, weil ihre Körper so sehr strahlten.

Es folgten Schulbusse mit Kindern. Sie müssen halten am Schlagbaum um gemessen und dekontaminiert zu werden. Bei vielen Anwesenden –  insbesondere bei den älteren Menschen – kommen die Erinnerungen hoch. Viele haben Tränen in den Augen.

Der Fokus der Veranstaltungen lag auf der „Wiederauferstehung“ der Region, die hoffnungsvolle Zukunft und die positive Entwicklung der Stadt. Das soll den Menschen Mut machen, täuscht aber nicht über die Alternativlosigkeit hinweg.

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„Wo sollen wir hin? Wir haben keine Alternative! Also leben wir hier!“ hörten wir immer wieder in den Familien, die wir besuchten. Die Angst vor den immer wieder aufkommenden Waldbränden im Sommer, wenn die Radioaktivität aufgewirbelt wird und neu über das Land verteilt wird …. die Angst um die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Kinder …. die Angst verseuchte Nahrung zu essen. „Wenn man immer daran denkt, dann wird man verrückt!“ sagte uns ein guter Freund.

Auch wenn das Wetter ähnlich ist; es ist anders als vor dreißig Jahren! In vielen Familien sind heute Krankheiten wie Krebs, Herzfehler, Diabetes, Kreislauferkrankungen und auch die Angst der ständige Begleiter.

Die Katastrophe von Tschernobyl dauert an. Sie ist noch lange nicht vorbei. Vielleicht verdrängt aus den Köpfen der Menschen und aus den Medien, aber nicht für die Menschen, die täglich mit den Folgen leben müssen. Menschen wie Du und ich !

Tag 8

Abreisetag. Der Wecker klingelt früh, das Taxi kommt pünktlich. Der Fahrer ist jung, sehr nett und wir versuchen mit unseren doch geringen Russischkenntnissen die vierzig Minuten Fahrt das Gespräch am Laufen zu halten. Es funktioniert ganz gut.

Vorbei an dem Prachtbau der Minsker Nationalbibliothek geht es direkt zum Flughafen. Dieser ist nicht der Einzige; mitten in der Innenstadt gibt es noch den alten Minsker Flughafen. Die internationalen Flüge starten allerdings zum Großteil von dem neuen und modernen Flughafenterminal außerhalb der Stadt.

Es ist nicht viel Betrieb, wir trinken einen Kaffee zum Frühstück, checken ein und warten auf’s Boarding. Alles funktioniert einwandfrei, Wir fliegen mit einem der neuen Flugzeuge der Belavia, einer Embraer 175. Auf dem Rollfeld passieren wir eine Antonow Transportmaschine. Ein toller Anblick dieser Riesenvogel.

Ein guter Flug, eine saubere Landung und wir sind nach zweieinhalb Stunden und fast einer Woche Sonnenschein im Regen in Amsterdam angekommen. Es sind ungemütliche sieben Grad, gepaart mit dem Regen ist es ungemütliches Wetter.

Wir kaufen Fahrkarten, gehen auf den Bahnsteig und stellen fest, dass fast alle Züge die in unsere Richtung fahren ausfallen. Nach einigen Klärungen fahren wir mit erheblicher Verspätung über Utrecht Centrum nach Hengelo, wo wir abgeholt werden.

Eine gute Woche geht zu Ende. Alles, was wir uns vorgenommen haben ist erledigt. Wir sind zufrieden.

Wir hoffen, dass es Euch auch ein wenig Spaß gemacht hat, unserer Reise im Blog zu folgen. Wir freuen uns über Eure Kommentare!

Tag 7

Der Tag der Abreise aus Gomel steht uns bevor. Wir wollen gemütlich starten und uns ohne Stress auf den Weg nach Minsk machen. Treffen mit unseren Dolmetschern Jenny und Andrei ist für zehn Uhr angesetzt. Unsere beiden Dolmetscher warten schon auf uns, als wir zur Rezeption kommen. Wir klären die Rechnung im Hotel, haben aber nicht genügend Landeswährung in der Tasche und müssen deshalb noch Geld tauschen.

Wir fahren los zur nächsten Bank. Problemlos und diesmal ohne eine Nummer zu ziehen oder Schlange zu stehen werden wir zügig bedient. Manchmal klappt es dann doch.

Wir zahlen unsere Rechnung, packen unsere Koffer ins Auto und verabschieden uns vom Hotelpersonal. Wir machen uns auf den Weg durch die Stadt, vorbei an riesigen Häuserblöcken und uns bekannten Orten wie das Hotel Tourist.

Nach etwa einer Stunde und einigen Einkäufen sind wir auf der Schnellstraße in Richtung Schlobin unterwegs. Die Straßen sind gut ausgebaut, allerdings nur so lange bis wir durch Schlobin durch sind. Hier fängt die gefühlsmäßig wohl längste Baustelle der Welt an. 60 Kilometer sehen wir riesige Sandberge, fahren Umleitungen und sehen Baufahrzeuge in ungewohnter Vielzahl. Hier werden in einem weißrussisch-chinesischem Großprojekt die letzten Kilometer der Autobahn Minsk – Gomel fertig gestellt. Ende diesen Jahres soll die Autobahn fertig sein.

Kurz vor Bobrusk sehen wir die Folgen von Unachtsamkeit oder auch Faulheit, wie unser Dolmetscher Andrei vermutet. Die Leute brennen ihre Felder ab, um nicht mähen zu müssen. Hektarweise stehen die umliegenden Felder in Brand. Die Sicht ist verdunkelt, der Rauch brennt in den Augen. Dies zieht sich über mehrere Kilometer bis zum Stadtrand von Bobrusk. Feuerwehrfahrzeuge sind nur wenig zu sehen.

In der Stadt sehen wir das ein- oder andere ungewöhnliche Fahrzeug vor uns herfahren. Nach der Stadt sind wir froh, wieder auf einer sehr gut ausgebauten zweispurigen Straße mit zügiger Geschwindigkeit weiter fahren zu können. Die Zebrastreifen über die Autobahn wundern uns nicht mehr, die kennen wir schon aus der Vergangenheit.

Gegen 16 Uhr erreichen wir den Stadtrand von Minsk. Viel Verkehr ist normal für die fast zwei Millionen Einwohner zählende Stadt. Wir setzen uns mit unserem Vermieter in Verbindung und fahren zu unserem gemieteten Appartement. Wie immer ist die Parkplatzsuche in den Hinterhöfen der Stadt aufwendig. Der Vermieter erwartet uns schon, wir unterschreiben unseren Mietvertrag und bekommen noch einige Erklärungen zur Wohnung und den WLAN-Schlüssel des eigenen Funknetzes. Wir wundern uns, dass bei der Verkabelung vor der Tür dieses überhaupt funktionieren kann. Aber es tut.

Wir verabschieden uns schweren Herzens von unseren beiden Dolmetschern. Andrei fährt noch am gleichen Tag zurück nach Gomel, Jenny fährt zu ihrer Minsker Wohnung. Wir waren die ganze Woche ein tolles Team und freuen uns jetzt schon auf Juni, dann sehen wir uns wieder.

Abends treffen wir uns mit Anastasia von der Minsker Hilfsorganisation UniHelp, wir kennen uns seit dem letzten Jahr und haben in einem Fall erfolgreich zusammen gearbeitet. Wir sprechen über die mögliche zukünftige Zusammenarbeit.

Nach einem gemeinsamen Essen endet für uns der Abend und wir fahren mit dem Taxi zurück zur Wohnung. Das Taxi zum Flughafen ist bereits für kurz vor Acht bestellt. Morgen geht es wieder nach Hause.

Tag 6

Bürotag! Was heißt das für uns? Viel zu kleine Räume, unbequeme Hocker und lange Diskussionen und Gespräche. Zusammenfassung, Wiederholung und Querchecken ob alles richtig verstanden wurde. Das kennen wir schon sehr gut nach den vielen Jahren aber auch diese Arbeit muss sein. Die Buchführung will gemacht sein, die Projekte abgesprochen und die Informationen des nächsten Hilfstransportes müssen ausgetauscht werden. Für beide Seiten eine lange und anstrengende Arbeit.

Schön, dass wir viel Spaß und viele „Schutkas“ (Witze) während unserer gemeinsamen Zeit machen. Das lockert die trockene Materie doch ein wenig auf. Nach fast fünf Stunden intensiver Gespräche haben wir alle Punkte auf unserer Liste abgearbeitet.

Gerade rechtzeitig, um den Termin bei der Hilfsorganisation „Fond Gesundheit“ wahrzunehmen. Wir haben Einladungen aus Deutschland mit dabei für Kinder, die zur Erholung im Sommer in Gastfamilien im Emsland und in der Grafschaft Bentheim kommen werden. Diese müssen im Original vorliegen. Der Postweg verspricht nicht immer den gewünschten Erfolg.

Gegen drei Uhr treffen wir uns mit Galina und fahren zum Kinderkrankenhaus Nr. 3 am Rande der Stadt. Wir wollen uns ansehen, was im letzten Jahr für eine zweckgebundene Spende gekauft wurde. Also rein in den Kittel und auf die Frühgeborenenstation. Wir sind begeistert von der guten Ausstattung der Station. Der leitende Arzt Iwan und sein Stellvertreter Igor führen uns zusammen mit der leitenden Oberschwester Olga durch die Räume. Wir sehen die Brutkästen, in denen die kleinen Würmchen liegen. Einige sind mit 700 g zur Welt gekommen und arbeiten jetzt mit Hochdruck an Gewichtszunahme.

Die Decken für die Brutkästen und die speziellen Kissen sind sehr wichtig für die kleinen Babys. Wir sehen mit eigenen Augen, dass die Hilfe aus dem letzten Jahr sehr gut angekommen ist.

Es wird uns alles gezeigt, die Räume mit den Brutkästen, die Zimmer in denen die Mütter schlafen und auch die Besuchsräume. Wir sehen sogar einen Vater, der sein Frühgeborenes besucht und fragen gleich, ob wir ein Foto machen dürfen. „Natürlich“ lautet die spontane Antwort.

Wie in vielen anderen Krankenhäusern werden auch hier Betten benötigt. Ein Wunsch, der immer wieder an uns rangetragen wird.

Das Krankenhaus Nr.3 ist nicht das einzige Krankenhaus mit einer Frühgeborenenstation. Allein in diesem Krankenhaus werden aber mehr als 2500 Kinder pro Jahr zur Welt gebracht.

Es war eine schöne Besichtigung mit sehr angenehmen Menschen. Wieder merkt man deutlich das Herzblut, was die einzelnen Mitarbeiter in ihren Job einbringen.

Wir fahren zurück in die Stadt. Es ist inzwischen 17 Uhr. Einen kurzen Halt machen wir bei einem Kunstgeschäft. Hier hängen Bilder von Nastja Schabaltas, unserer befreundeten Künstlerin.

Wir scherzen im Auto mit Andrei, unserem Dolmetscher. Das grüne Geschäft auf dem Weg nach Choiniki (siehe Tag 4) hatte auf dem Schild mit den Öffnungszeiten stehen, dass jeden Mittwoch und jeden zweiten Dienstag Feiertag ist. Können wir das auch so bekommen?

Zur Tradition geworden ist ein gemeinsames Treffen mit unseren Partnern am letzten Abend. Wir treffen uns im „Alte Zeiten“ Restaurant um acht und besprechen noch einige Punkte. Andrei kommt an diesem Abend zusammen mit seiner Frau Tamara. Uns verbindet eine ganz besondere Geschichte. Beide waren von uns im Jahre 2011 als Dolmetscher bei der Bike2Belarus Tour eingesetzt, Andrei für Übersetzungen ins Deutsche und Tamara für die Englischübersetzungen. Wir waren damals zusammen mit irischen Studenten in Belarus. Die beiden haben sich dort kennen- und lieben gelernt, sind jetzt verheiratet und haben einen gemeinsamen Sohn von acht Monaten. Wir finden die Beiden sind ein tolles Paar!

Ein guter Tag geht zu Ende. Die Müdigkeit wird größer und größer und wir freuen uns schon langsam auf die Heimreise. Wir sind aber zufrieden, weil wir alle Fragen klären konnten, gute Termine hatten und auch eine gute Zeit gehabt haben.

Morgen fahren wir nach Minsk, übernachten dort eine Nacht und am Samstagmorgen fliegen wir wieder zurück in die Heimat.

 

Tag 5

Mittwochmorgen im Hotel in Choiniki. Die hochmoderne Duschkabine erinnert etwas an eine Zeitmaschine aus einem schlechten Science-Fiction-Film. Düsen von den Seiten, aus der Decke und ein elektronisches Display mit vielen Schaltern. Die losen Kabel auf der Kabine machen das Gefühl der Sicherheit nicht größer. Zeitmaschinen laufen auch mit kaltem Wasser, oder? Zumindest heute tun sie das.

Wir bezahlen unsere Zimmer und fahren zur Schule Nr.3. Hier wartet Maria und Sergej, der Direktor der Schule schon mit einem reich gedeckten Frühstückstisch auf uns. Wir besprechen in lockerer Runde die aktuelle Situation in der Schule, sprechen über mögliche Hilfen. Es sind Ferien, gerade ist eine Gruppe aus dem Kindergarten in der Schule zur Exkursion. Auch sind trotz Ferien mehr als dreißig Kinder zur Betreuung hier.

Der Zeitplan ist mal wieder eng, weil wir auch noch die Familie von Iwan besuchen wollen. Für Iwan hatten wir im letzten Jahr Medikamente, die es in Belarus nicht gab, besorgt. Sein Bruder Maxim wartet schon in der Schule auf uns. Er begleitet uns zu seinem Zuhause. Er spricht sogar Englisch! Sein Vater erklärt später, dass liege daran das er immer Online-Spiele mit den Amerikanern spielt. Wir schmunzeln!

Die ganze Familie ist zuhause. Der Tisch ist schon wieder reich gedeckt. Iwan lächelt uns an. Beim letzten Mal waren die Haare weg. Jetzt ist die Frisur wieder schick! Nach einigen Fragen und vielen positiven Antworten wissen wir, dass alles gut überstanden ist. Wir freuen uns mit ihm. Er wirkt sehr locker und hat große Pläne. Er wird derzeit noch zuhause unterrichtet. Er will Arzt werden. Das wollte er auch schon vor seiner Krankheit. Die Krankheit hat ihn in seinem Wunsch bestärkt. Wir verabschieden uns nach einiger Zeit und guten Gesprächen. Wir sind froh, dass Iwan so gut zufrieden ist und werden eingeladen wieder zu kommen. Das werden wir bestimmt!

Es ist fast Mittag. Wir starten die Rückreise nach Gomel, auf dem Weg wollen wir noch kurz das neue Sofa von Oleg begutachten. Dies wurde gestern noch geliefert. Wieder diese endlosen Straßen. Unterwegs auch ein paar Pferdewagen. Wie lang muss einem die Straße dann vorkommen?

Wir rufen bei Oleg an, er muss von der Arbeit nach Hause kommen wegen uns. Wir treffen ihn in seiner Wohnung. Er zeigt uns stolz sein neues „Bett“ und bestätigt, dass er sehr gut geschlafen hat. Er wollte heute Morgen gar nicht aufstehen und ist noch eine halbe Stunde liegen geblieben.

Wir fahren zügig weiter. Um ein Uhr sind wir im Heim in Vasilievka angemeldet. Das sind noch etwa sechzig Kilometer. Ein Uhr ist es auch schon!

Swetlana die Direktorin, Leonid und Ludmila, die guten Seelen des Heims begrüßen uns schon draußen. Als erstes zeigen sie uns den neuen Computerraum. Dieser wurde verlegt, damit die Rollstuhlfahrer ohne Probleme die Räume nutzen können. Seit August letzten Jahres können die Bewohner auch ins Internet.

Wir sehen die neue Küche. Hier können die Bewohner kochen. Unseren Herd vom letzten Hilfstransport finden wir hier auch wieder. Seit unserem letzten Besuch im August wurden viele Wände mit schönen Zeichnungen in bunten Farben verschönert. Das ganze Haus wirkt sehr positiv durch die Farben und Motive.

Wir treffen Alexandra und ihre Mutter. Im letzten Jahr haben wir eine Behandlung in Moskau für Alexandra unterstützt. Alexandra macht auf uns einen besseren Eindruck als beim letzten Mal. Die Behandlung hat ihr gut getan, das bestätigt auch ihre Mutter. Weitere Behandlungen sind notwendig, scheitern aber im Moment an der Finanzierung. Wir versprechen zu helfen und unsere Möglichkeiten zu prüfen.

Nach zweimal Frühstück mit warmen Essen wird es langsam wieder Zeit. Es geht an den Tisch. Die Direktorin Swetlana kennen wir noch nicht so gut. Wir haben sie im August das erste Mal besucht. Die Gelegenheit ist gut um sich näher kennen zu lernen. Viele Dinge werden besprochen. Einige Fragen und Hilfen können gleich erledigt werden. Hier merkt man immer wieder, wie gut die Institution durch die Verantwortlichen geführt wird und wie viel Herzblut die Menschen in ihre Arbeit einbringen.

Gegen 17 Uhr verabschieden wir uns bei schönstem Sommerwetter. Nicht ohne uns für Mitte Juni schon wieder anzumelden.

Gegen 20 Uhr geht es dann noch mal ohne Dolmetscher mit dem Taxi zum Fond „Menschen der Welt helfen Tschernobyl-Kindern“. Hier treffen wir die Direktorin Galina. Sie spricht gut deutsch und wir können einige Dinge durchsprechen und verabreden uns für Morgen, um gemeinsam zum Gomeler Kinderkrankenhaus Nr.5 zu fahren.

Ein langer Tag endet mit einem Spaziergang zurück zum Hotel. Morgen steht ein langer Bürotag auf dem Programm.

Tag 4

Voller Vorfreude starten wir in den vierten Tag ! Der Besuch beim Dominic-Haus steht auf dem Programm, der Wetterbericht verspricht uns 12 Grad und Sonnenschein. Um neun Uhr geht es los.

Retchiza, der Ort, in dem das Dominic-Haus steht, liegt etwa sechzig Kilometer von Gomel entfernt. Der Verkehr in der Stadt ist wie jeden Morgen und Abend schrecklich. Es dauert etwa zwanzig Minuten um aus der Stadt heraus zu kommen.

Etwas verspätet kommen wir an. Die Begrüßung ist toll und man fühlt sich direkt zuhause!

Liena, die Hausmutter ist da, alle Bewohner des Hauses auch. Vitaly Shabalin, der Leiter des zuständigen Sozialamtes, kommt kurze Zeit später dazu. Auch Oleg, der als erster Bewohner den Schritt in die Selbstständigkeit geschafft hat und eine eigene Wohnung bezogen hat, kommt mit seinem Scooter angefahren. Für ihn ist Maxim nachgerückt. Maxim kennen wir noch nicht. Wir stellen ihm viele neugierige Fragen.

Als Oleg damals einige Zeit im Dominic-Haus gelebt hat, hat er zu seiner Hausmutter Liena gesagt: „Ich werde immer im Dominic-Haus wohnen! Ich werde hier nie weg gehen!“. Nach der ersten Nacht im eigenen Heim vor einigen Wochen sagte er dann: „Ich werde nur noch als Gast zu Euch kommen!“. Die eigenen vier Wände zu haben ist für ihn ein tolles Gefühl. Ohne Bett, ohne Matratze hat er die ersten Nächte in seiner neuen Wohnung verbracht. Er hat auf dem Boden geschlafen. Aber er hat in SEINER Wohnung geschlafen!

Wir entscheiden uns kurzfristig die Wohnung zu besichtigen. Dabei können wir auch gleichzeitig unseren Opel mit Hebebühne ausprobieren, den wir im August letzten Jahres an das Sozialamt gespendet haben. In einem neuen Stadtteil ist in einem mehrstöckigem Haus ist seine Wohnung im Erdgeschoss. Als wir ankommen öffnet er seinen Briefkasten und wirkt etwas enttäuscht, weil er leider keine neuen Briefe hat. Ein Zimmer mit Küche, Bad und WC. Die Wohnung wirkt freundlich, die ersten Gardinen hängen. Ein Bett gibt es noch nicht, dafür eine große Luftmatratze.

Nach kurzer Absprache fahren wir zum Möbelladen und kaufen ihm ein Sofa mit Ausziehfunktion, dieses ist hier typisch um in Einzimmerwohnungen den Platz optimal auszunutzen. Tagsüber ein Sofa, in der Nacht ein Bett.

Oleg läuft jeden Morgen zur Bushaltestelle und fährt dann ca. 15 Minuten mit dem Bus zur Arbeit. Das ist für ihn kein Problem. Er arbeitet im Sozialamt in Retschiza und betreut junge Menschen mit Behinderung.

Nach unseren Einkäufen fahren wir wieder zum Dominic-Haus und trinken Kaffee und essen selbstgebackene Muffins. Nach vielen guten Gesprächen machen wir uns nachmittags auf den Weg nach Choiniki. Auf dem Weg halten wir an einem Friedhof, auf dem ein Deutscher seine letzte Ruhestätte hat. Die Mitarbeiter des Sozialamtes hatten bei Arbeiten am Kriegerdenkmal diese Grabstätte entdeckt.

Es geht weiter auf endlos erscheinenden Straßen in Richtung Choiniki. Vorbei an quietschgrünen Geschäften und ganz viel Wald. Nachmittags kommen wir beim Hotel an, beziehen unsere Zimmer und ruhen uns ein wenig aus. Die langen Fahrten über die nicht ganz guten Straßen machen müde.

Am Abend treffen wir uns mit unseren Freunden Maria und Genja. Der Geruch von Schaschliki steigt uns schon vor dem haus in die Nase. Als wir reinkommen steht der Tisch voll mit Essen. Einige Zeit später werden schon melancholische russische Lieder gesungen. Auch nach so vielen Jahren müssen wir uns den Text wieder in Lautschrift aufschreiben lassen. Genja begleitet uns dabei mit dem Akkordeon. Ein schöner Ausklang des Tages.