Dominic Hope Haus in Retchiza – Haus der Hoffnung

Zusammen mit unseren irischen Partnern „StudentAid Chernobyl“ haben wir das Dominic-Hope-Haus in Retchiza vor einigen Jahren eröffnet. Ziel war es damals ein Haus zu schaffen, in dem westliche Standards bei der Unterbringung von jungen Menschen mit Behinderung eingehalten werden. Das Haus sollte in erster Linie eine Bereicherung für die jungen Bewohner darstellen, die in diesem Haus zu einem weitgehend selbstständigen Leben ermutigt werden sollen und hier alles Notwendige dafür lernen können. Es diente ebenfalls als gutes Beispiel und Anregung für ranghohe weißrussische Sozialpolitiker, um die bisherige Praxis der Unterbringung von jungen Menschen in Wohnheimen zu überdenken.

Wir haben erst vor kurzem einen Artikel in die Hände bekommen, der in Retchiza im regionalen Online-Portal dneprovec.by veröffentlicht wurde. Dieser Artikel malt ein Bild des Dominic-Hauses aus einer anderen Perspektive. Hier für Euch der Artikel in deutscher Übersetzung:

 Haus der Hoffnung

 (Artikel vom Online-Portal dneprovec.by / Retchiza online vom 22 Oktober 2015)

Der gepflegte Weg führt zum Hof, wo im Schatten der Bäume sich ein freundliches Haus versteckt. Die Hausbewohner sind Menschen, die nicht den Mut verloren haben und ein für allemal zu Siegern im Kampf gegen Widrigkeiten geworden sind.

Das gemütliche zweistöckige Haus hat nicht nur eine Adresse, das Haus hat auch einen Namen. Einen Namen, der die Hoffnung und die sichere Zukunft schenkt: „Dominik Haus – Haus der Hoffnung“.

„In unserem Haus können bis zu 10 Personen wohnen“ erzählt die Leiterin Elena Kuzowa. „Jetzt haben wir 9 Einwohner im Alter zwischen 18 und 38 Jahren. Alle haben Behinderungen ersten, zweiten oder dritten Grades“.

Das Haus ist barrierenfrei und an Bewohner mit  Behinderungen angepasst. „Hier können sogar diejenigen, die im Rollstuhl sitzen, selbständig eine Dusche nehmen, ohne auf die Hilfe von den anderen angewiesen zu sein“. Außerdem wohnen im Haus ein Kaninchen und ein Hamster. „Unsere Bewohner sollen sich nicht nur um sich selbst kümmern können“, überzeugt die Leiterin.

Sich zu sozialisieren und sich in die Gesellschaft integrieren; das sind die Ziele, die die Leiterin des Hauses für ihre Schützlinge erreichen will. Ihnen wird beigebracht wie man kocht, putzt, sich selbst bedient und mit Geld umgeht. Irgendwann müssen sie allein zu Recht kommen und diese Fähigkeiten und Fertigkeiten dürfen nicht fehlen. „Unser Witja kann Borschtsch (Rote Beete Suppe) besser als meine Mama kochen, die aus der Ukraine kommt“, lacht die Leiterin.

Glasperlenbastelei, Stickerei und die eigene Kleidung reparieren – das können die Dominic Haus Bewohner schon. Und was für ein Sonnenschutzdach haben sie aus den alten und zerrissenen Jeans für die (Hollywood-)Schaukel genäht! Zum bewundern! An jeder  städtischen Veranstaltung nehmen sie teil und die Teilnahme an Ausstellungen ist bereits eine Tradition. Genauso wie die Teinahme an Sportwettbewerben.

Die geräumige Küche ist mit allen nötigen Haushaltsgeräten ausgestattet. Alles an seinem Platz. Auch die Produkte im Kühlschrank. Maxim, der seit einem Jahr im Dominic Haus wohnt, erzählt stolz welche Vorräte sie haben und danach teilt mit uns das Rezept der Frikadellen, die er gestern für alle gebraten hat. Schrittweise und detailliert. Noch vor einem Jahr, als der Junge noch in einem Heim war, konnte er ohne Hilfe kein Ei braten. „Früher wohnte ich in einem Wohnheim und konnte nichts – erinnert sich Maxim –  und heute ich kann für mich selbst kochen, arbeite im Garten. Ich habe selbst Erbsen, Zwiebeln und Kartoffeln angebaut!“. Die Ernte wird zu Marmelade, Kompott und zu den anderen Produkten als Vorrat verarbeitet.

Die Mutter des 21-jährigen Maxim ist unter unerklärten Umständen ums Leben gekommen. Kein Vater, die Verwandten wollen ihn nicht aufnehmen. „Wir wollen, dass Maxim so lange wie möglich bei uns bleibt. Sonst gerät er sehr schnell unter fremden Einfluss. Die Aufsicht ist nötig für ihn“, sagt die Leiterin.

Olga wohnt im Dominic Haus erst seit August, aber sie hat schon ihr neues Zuhause lieb gewonnen. „Bei uns ist es fast wie in Italien“, – sagt Olga. Olgas Mutter hat sie mit 18 Jahren im Rettungswagen zur Welt gebracht, ist danach ausgestiegen und auf immer aus Olgas Leben verschwunden.

„Hier hat jeder seine Geschichte. Komplizierte und echte Geschichten. Kostja, zum Beispiel, wurde behindert geboren. Der Vater diente bei den Raketentruppen. Vielleicht war das der Grund dafür? Die Eltern haben ihn fallengelassen. Nach 18 Jahren hat der Junge sie wieder gefunden. Erst waren es nur kurze Telefonate, dann hat er sie besucht und heute ist alles gut, sie reden regelmäßig miteinander“.

„Insgesamt ist die Einstellung zu den behinderten Menschen leider nicht immer positiv“ erzählt die Leiterin weiter. „Manchmal drehen sich die Menschen einfach um unter dem Motto: ‚Was ich nicht sehe, existiert nicht in der Gesellschaft‘ . Manchmal schauen sie mit Missachtung. Aber niemand kann sich sicher sein, dass man nicht selbst morgen in solch einer Lage ist. Nicht alle sind mit Behinderung geboren! Manche haben ihre Behinderung auch infolge eines Unfalls bekommen. Meine Freunde haben sich daran gewöhnt und haben andere Ansichten. Die Nachbarkinder haben auch keine Vorurteile unseren Einwohnern gegenüber. Die Verkäuferinnen im Laden beraten die Einwohner sogar, was am günstigsten zu kaufen ist“.

Um sich und um die anderen sich kümmern, das ist das Hauptprinzip des Lebens im Dominic Haus. „Jeder möchte ein wenig Aufmerksamkeit“, fasst die Leiterin zusammen. Einsam sein ist doch sehr schlimm. Und wir hier sind eine Familie“.

Quelle des Originaltextes in russischer Sprache:

http://dneprovec.by/society/2015/10/22/9398

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