Tag 4

Voller Vorfreude starten wir in den vierten Tag ! Der Besuch beim Dominic-Haus steht auf dem Programm, der Wetterbericht verspricht uns 12 Grad und Sonnenschein. Um neun Uhr geht es los.

Retchiza, der Ort, in dem das Dominic-Haus steht, liegt etwa sechzig Kilometer von Gomel entfernt. Der Verkehr in der Stadt ist wie jeden Morgen und Abend schrecklich. Es dauert etwa zwanzig Minuten um aus der Stadt heraus zu kommen.

Etwas verspätet kommen wir an. Die Begrüßung ist toll und man fühlt sich direkt zuhause!

Liena, die Hausmutter ist da, alle Bewohner des Hauses auch. Vitaly Shabalin, der Leiter des zuständigen Sozialamtes, kommt kurze Zeit später dazu. Auch Oleg, der als erster Bewohner den Schritt in die Selbstständigkeit geschafft hat und eine eigene Wohnung bezogen hat, kommt mit seinem Scooter angefahren. Für ihn ist Maxim nachgerückt. Maxim kennen wir noch nicht. Wir stellen ihm viele neugierige Fragen.

Als Oleg damals einige Zeit im Dominic-Haus gelebt hat, hat er zu seiner Hausmutter Liena gesagt: „Ich werde immer im Dominic-Haus wohnen! Ich werde hier nie weg gehen!“. Nach der ersten Nacht im eigenen Heim vor einigen Wochen sagte er dann: „Ich werde nur noch als Gast zu Euch kommen!“. Die eigenen vier Wände zu haben ist für ihn ein tolles Gefühl. Ohne Bett, ohne Matratze hat er die ersten Nächte in seiner neuen Wohnung verbracht. Er hat auf dem Boden geschlafen. Aber er hat in SEINER Wohnung geschlafen!

Wir entscheiden uns kurzfristig die Wohnung zu besichtigen. Dabei können wir auch gleichzeitig unseren Opel mit Hebebühne ausprobieren, den wir im August letzten Jahres an das Sozialamt gespendet haben. In einem neuen Stadtteil ist in einem mehrstöckigem Haus ist seine Wohnung im Erdgeschoss. Als wir ankommen öffnet er seinen Briefkasten und wirkt etwas enttäuscht, weil er leider keine neuen Briefe hat. Ein Zimmer mit Küche, Bad und WC. Die Wohnung wirkt freundlich, die ersten Gardinen hängen. Ein Bett gibt es noch nicht, dafür eine große Luftmatratze.

Nach kurzer Absprache fahren wir zum Möbelladen und kaufen ihm ein Sofa mit Ausziehfunktion, dieses ist hier typisch um in Einzimmerwohnungen den Platz optimal auszunutzen. Tagsüber ein Sofa, in der Nacht ein Bett.

Oleg läuft jeden Morgen zur Bushaltestelle und fährt dann ca. 15 Minuten mit dem Bus zur Arbeit. Das ist für ihn kein Problem. Er arbeitet im Sozialamt in Retschiza und betreut junge Menschen mit Behinderung.

Nach unseren Einkäufen fahren wir wieder zum Dominic-Haus und trinken Kaffee und essen selbstgebackene Muffins. Nach vielen guten Gesprächen machen wir uns nachmittags auf den Weg nach Choiniki. Auf dem Weg halten wir an einem Friedhof, auf dem ein Deutscher seine letzte Ruhestätte hat. Die Mitarbeiter des Sozialamtes hatten bei Arbeiten am Kriegerdenkmal diese Grabstätte entdeckt.

Es geht weiter auf endlos erscheinenden Straßen in Richtung Choiniki. Vorbei an quietschgrünen Geschäften und ganz viel Wald. Nachmittags kommen wir beim Hotel an, beziehen unsere Zimmer und ruhen uns ein wenig aus. Die langen Fahrten über die nicht ganz guten Straßen machen müde.

Am Abend treffen wir uns mit unseren Freunden Maria und Genja. Der Geruch von Schaschliki steigt uns schon vor dem haus in die Nase. Als wir reinkommen steht der Tisch voll mit Essen. Einige Zeit später werden schon melancholische russische Lieder gesungen. Auch nach so vielen Jahren müssen wir uns den Text wieder in Lautschrift aufschreiben lassen. Genja begleitet uns dabei mit dem Akkordeon. Ein schöner Ausklang des Tages.

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