Sozialprojekt zur Unterstützung bedürftiger Familien

… Die Aufgaben der Sozialarbeiter sind vielfältig. An erster Stelle steht das Aufgreifen der Bedürfnisse der einzelnen Familien. Was brauchen sie am dringendsten? Sie halten den Kontakt zu den Familien, unterstützen sie im Alltag und passen stundenweise auf die Kinder auf, damit die Mütter etwas Freiraum bekommen, um am normalen Leben teilzunehmen. Bei der oftmals vorherrschenden 24-Stunden-Betreuung der Kinder ist der normale Einkauf für die Mütter schon ein lange zu planendes Ereignis. Für uns kaum vorstellbar.

Viele Mütter sind alleinerziehend, weil die Männer nach Geburt des behinderten Kindes sich aus dem Staub gemacht haben. Die Renten sind sehr niedrig. Es fehlt in diesen Familien an allem.

Geschichten wie die von Alexandra Wlasowa schockieren uns immer wieder. Das Mädchen wurde  gesund geboren, aber nach einem Monat bemerkte die Mutter, dass das Kind sich weniger bewegte. Nach umfangreichen Untersuchungen auf der Kinderstation und durch verschiedene Neurologen erfuhren die Eltern das erste mal von der Diagnose: Spinale Muskelatrophie. Diese Krankheit ist nicht heilbar und das Kind braucht ständige Pflege.

Die Ärzte waren hilflos, konnten oder hielten es nicht für nötig zu erklären, was das Kind mit dieser Krankheit braucht. Welche Medikamente, welche orthopädischen Hilfsmittel. Die Ärzte sagten nur, dass Alexandra mit dieser Diagnose schnell sterben werde, normalerweise vor Beendigung des ersten Lebensjahres.

Die Eltern informierten sich intensiv und lernten durch die Hilfe wohlwollender Menschen die notwendigen Fähigkeiten, um Alexandra weitestgehend selbst helfen zu können. Regelmäßige Atemübungen und auch Krankengymnastik führten dazu, dass sie im September ihren ersten Geburtstag feiern konnte.

Die Krankheit ist aber nicht geheilt und kann auch nicht geheilt werden. Viele Dinge werden in dieser Familie benötigt. Verschiedene Katheter u.a. für parenterale Ernährung, Ernährungspritzen, Trachealkompressen, Zubehör und Verbrauchsmaterial für das Beatmungsgerät, Windeln und spezielle Nahrungsmittel.  Außerdem braucht die Familie ein medizinisches Bett, einen Kinderwagen und vieles mehr. Das ist nur ein Beispiel von vielen.

Wir können weiter erzählen von Diana, 15 Jahre alt und an infantiler Zelebralparese erkrankt. Ihre Familie hat kein zusätzliches Einkommen außer die kleine Sozialhilfe für das Kind. Die Familie braucht aber außer den normalen Dingen zum Leben Medikamente und Windeln. Diana benötigt Massagen und Reha Sport. Undenkbar für diese Familie bei den finanziellen Verhältnissen.

Viele Beispiele könnten wir hier aufführen. Denis Kowalew, 9 Jahre alt aus Gomel oder Nikita Tscherniawsky, 14 Jahre aus dem Dorf Eremino. Wir kennen diese traurigen Geschichten aus eigener Erfahrung, weil wir die Familien vor einiger Zeit bereits persönlich besucht haben.

Das war vor zwei Jahren der Grund für uns, Patenschaften zu suchen, um einzelne besonders betroffene Familien zu unterstützen. Wir haben aber auch hier gemerkt, dass die Aktualität der Bedürfnisse in den individuellen Lebenssituationen in den Familien nicht über 2000 Kilometer Entfernung geregelt werden kann. Die Aktualität der übermittelten Informationen hält nicht stand mit der Entwicklung in den einzelnen Familien. Hier ist professionelle Arbeit vor Ort gefragt.

Wir erinnern uns an einen Besuchstag an dem wir vier Familien besuchen wollten. Sieben sind es dann geworden, weil die Wohnungen so nah beieinander lagen und wir sozusagen „auf dem Weg” kurz reingeschaut haben. Ab der vierten Familie waren wir nicht mehr imstande, die persönlichen Geschichten der einzelnen Familien aufzuschreiben. Soviel Schlechtes an einem einzelnen Tag kann man gedanklich einfach nicht verarbeiten.

Wir lernen immer mehr, wie wichtig gerade die unkomplizierte und schnelle Hilfe in den Familien ist. Deshalb haben wir unseren Partnern bereits seit einiger Zeit ein Budget für besonders schwierige Situationen zur Verfügung gestellt, über das sie frei verfügen können.

Gute Mitarbeiter, die für die Tätigkeiten in Frage kommen sind bereits ausgesucht. Auch ein Arzt ist bereits gefunden, der sich um die medizinischen Belange der Kinder und Familien kümmert. Langfristig ist geplant, das Projekt soweit auszubauen, dass wir für die Familien gleichzeitig drei Sozialarbeiter im Einsatz haben. Das Projekt wird bei „White Dove over Chernobyl” von den ehrenamtlichen Kräften geleitet, insbesondere von der Direktorin Viktoriya Jakovleva.

Neben den Kosten für die Arbeitskräfte fallen auch Kosten für die benötigten Medikamente und dringend benötigte Hilfsmittel an. Wir wissen, dass wir mit dieser Hilfe bei den Menschen ankommen, die diese Hilfe wirklich benötigen. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, daß wir die richtigen Leute mit dem Herz am rechten Fleck vor Ort haben, die dieses Projekt jede Woche erneut zum Erfolg führen werden. Bitte helft uns bei der Umsetzung und Ausweitung dieses wichtigen Projektes!

Spenden dringend benötigt !

Wir haben dieses Projekt vorerst im kleinen Rahmen gestartet um mit planbaren, vorhandenen  Finanzmitteln für erste Hilfe zu sorgen. Wir wissen gleichzeitig, dass der jetzige Umfang nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.

Für eine gute Versorgung der bedürftigen Familien benötigen wir mindestens die dreifache Anzahl an Sozialarbeitern. Da es sich hier um ein langfristiges Projekt handelt, welches nicht von einem Monat zum nächsten gestoppt werden kann, sind wir auf weitere monatliche Spender angewiesen um den Umfang zu erweitern und die so dringend benötigte Hilfe sicher zu stellen. Einmalspenden sind für die langfristige Planbarkeit in diesem Fall nicht ausreichend.

Wir bitten Euch deshalb eindringlich um eine monatliche Spende, die Euch nicht weh tut, aber den bedürftigen Familien sehr viel Entlastung im Alltag bringt. Besser einen kleinen Betrag, dafür aber langfristig gesichert. Davon lebt dieses Projekt.

Ihr könnt beim Spenden den Spendenzweck „Soziale Betreuung“ angeben, dann wird Eure Spende garantiert für dieses Projekt verwendet. Regelmäßige Spenden  sind auch über unser Online-Formular möglich! Die Auswahl des Spendenzwecks ist auch hier ohne Probleme möglich.

 

 

Vereinfachter Zuwendungsnachweis

Aufgrund des nicht unerheblichen Aufwands zur Erstellung und Versendung von Spendenquittungen und den damit verbundenen Kosten haben wir uns nach Rücksprache mit unserem Steuerberater entschlossen für Mitgliedsbeiträge und Spenden kleiner 200,- Euro den vereinfachten Zuwendungsnachweis anzubieten.

In diesem vereinfachten Zuwendungsnachweis sind alle Informationen enthalten, die das Finanzamt zur Prüfung des Steuerabzugs benötigt. Zusammen mit dem Überweisungsbeleg hat dieses Dokument die gleiche Funktion wie eine individuell ausgestellte Spendenquittung (Zuwendungsnachweis). Das Dokument kannst Du hier:

https://dl.dropboxusercontent.com/u/110076254/Vereinfachter_Zuwendungsnachweis_2016.pdf

bekommen. Gerne senden wir Dir auch eine gedruckte Version zu. Falls jemand aus irgendwelchen Gründen für Beträge unter 200,- Euro doch eine Spendenquittung benötigt, dann reicht eine kurze Nachricht an den Vorstand aus. Für Spenden über 200,- Euro werden weiterhin wie gewohnt am Ende jedes Jahres die Spendenquittungen per Brief verschickt.

Dringend gesucht ! Stühle aus Metall !

Für das Heim in Makanovichi suchen wir dringend gebrauchte Stühle in ähnlicher Bauweise wie auf diesem Foto zu sehen:

Makanovichi_3

Normalerweise sind diese in Schulen oder ähnlichen Einrichtungen zu finden. Der große Vorteil ist die Stabilität durch die Metallbauweise. Diesen Vorteil wissen die Verantwortlichen im Heim zu schätzen, da sie bereits vor einigen Jahren ähnliche Stühle über einen Hilfstransport bekommen haben.

Bitte teilt diese Information und fragt gezielt bei Lehrern und Direktoren von Schulen, ob ähnliche Stühle noch irgendwo im Lager stehen. Für unseren nächsten Hilfstransport können wir mehrere hundert dieser Stühle gebrauchen. Falls irgendwo Stühle in ähnlicher Bauweise zur Verfügung stehen, dann meldet Euch bei Thomas Küpker. Die Kontaktinformationen findet Ihr im Impressum.

30 Jahre Tschernobyl – Gedenkfeiern am Rande der verstrahlten Zone

Am 25. Und 26. April wurde in der ehemaligen Kolchosenstadt Choiniki, am Rande der verstrahlten Zone, der Reaktorkatastrophe von vor dreißig Jahren gedacht.

Nur 60 km liegt das Stadtzentrum vom havarierten Atomkraftwerk entfernt. Der Schlagbaum zum verstrahlten Niemandsland ist gerade mal einige Kilometer entfernt. Hinter diesem Schlagbaum hat sich die Natur das Land zurückerobert. Die Gefahr durch die überall vorhandenen und extrem gefährlichen Radionuklide spürt man hier. Man spürt sie nicht nur! Ein metallischer Geschmack legt sich auf die Zunge, wenn man in der Zone ist. Man schmeckt die Radioaktivität.

Uns verbindet eine lange Geschichte mit dieser Stadt. Bereits vor über zwanzig Jahren kamen aus dieser Stadt die Kinder zu Erholungsaufenthalten in Gastfamilien  im Emsland und in die Grafschaft Bentheim. Wir selbst reisten zum ersten Mal vor 18 Jahren hierher.

Eingeladen vom Bürgermeister hatten wir uns am 23. April auf den Weg begeben, um an den Gedenkfeiern teilzunehmen. Am 25. April wurde abends am Denkmal für die begrabenen Dörfer der Katastrophe gedacht. Es wurden Reden gehalten und es wurde erinnert; erinnert an die Katstrophe die das Leben der Menschen hier so plötzlich und umfassend bis zum heutigen Tag verändert hat.

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Am Dienstag, dem 26. April 2016 war das Wetter genau wie vor dreißig Jahren. Es war kalt und es regnete.

Der Nachstellung der Ereignisse, die für Mittags geplant war, gingen wieder Reden und Kranzniederlegungen voraus. Ehemalige Liquidatoren, verantwortliche des Katastrophenschutzes, Leiter ausländischer Hilfsorganisationen kamen zu Wort bevor symbolisch die Feuerwehr anrückte um den Brand im Reaktor zu löschen.

Das erinnerte an die jungen Leute, die vor drei Jahrzehnten voller Tatendrang in den Einsatz gingen und kurze Zeit später an der Strahlenkrankheit verstarben. Begraben wurden sie in Moskau unter Bleiplatten, weil ihre Körper so sehr strahlten.

Es folgten Schulbusse mit Kindern. Sie müssen halten am Schlagbaum um gemessen und dekontaminiert zu werden. Bei vielen Anwesenden –  insbesondere bei den älteren Menschen – kommen die Erinnerungen hoch. Viele haben Tränen in den Augen.

Der Fokus der Veranstaltungen lag auf der „Wiederauferstehung“ der Region, die hoffnungsvolle Zukunft und die positive Entwicklung der Stadt. Das soll den Menschen Mut machen, täuscht aber nicht über die Alternativlosigkeit hinweg.

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„Wo sollen wir hin? Wir haben keine Alternative! Also leben wir hier!“ hörten wir immer wieder in den Familien, die wir besuchten. Die Angst vor den immer wieder aufkommenden Waldbränden im Sommer, wenn die Radioaktivität aufgewirbelt wird und neu über das Land verteilt wird …. die Angst um die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Kinder …. die Angst verseuchte Nahrung zu essen. „Wenn man immer daran denkt, dann wird man verrückt!“ sagte uns ein guter Freund.

Auch wenn das Wetter ähnlich ist; es ist anders als vor dreißig Jahren! In vielen Familien sind heute Krankheiten wie Krebs, Herzfehler, Diabetes, Kreislauferkrankungen und auch die Angst der ständige Begleiter.

Die Katastrophe von Tschernobyl dauert an. Sie ist noch lange nicht vorbei. Vielleicht verdrängt aus den Köpfen der Menschen und aus den Medien, aber nicht für die Menschen, die täglich mit den Folgen leben müssen. Menschen wie Du und ich !

Hilfstransport hat sein Ziel erreicht

Insgesamt fast 20 Helfer waren vor und am 21.4.2016 im Einsatz um unseren sechsten Hilfstransport für die Reise nach Gomel zu laden.

Beladung

Die Verladung am Zentrallager der H&R ChemPharm GmbH in Salzbergen erfolgte am Donnerstag, dem 21.04.2016 ab 15 Uhr und wurde unterstützt durch viele freiwillige Helfer des DRK Salzbergen und Spelle, aber auch der LKW des DRK Elbergen kam zum Einsatz um die sperrigen Hilfsgüter zum Verladeort zu bringen. Nach vier Stunden waren die etwa 13 t Hilfsgüter verladen, darunter 6,3 t Kleidung und andere Textilien, eine halbe t Schuhe, 20 Krankenhaus- und 10 Säuglingsbetten aber auch etwa 15 Rollstühle, 77 Rollatoren, 30 Computer und 40 Privatpakete waren Bestandteil der Ladung. Anschließend konnten die Ausfuhrpapiere beim Zoll in Schüttorf erstellt werden und der LKW machte sich auf den Weg in Richtung Weißrussland.

Erstmals gab es zeitraubende Probleme bei der Grenzabfertigung, weil eine Gesetzesänderung acht Tage vor Abfahrt in Kraft getreten ist und teilweise neue Listen erstellt werde mussten. Dadurch dauerte die Grenzabfertigung insgesamt 28 Stunden. Die Ankunft im Zolllager in Gomel war dadurch erst am Sonntagmorgen um 2 Uhr Nachts.

Inzwischen sind die Zollformalitäten in Gomel fast erledigt und die Entladung kann am Montag beginnen. Unsere Partner-Organisation „White Dove over Chernobyl“ übernimmt dann die Beantragung der Freigabe der Hilfsgüter und dann mit einer Zeitverzögerung von etwa acht Wochen auch die Verteilung der Hilfsgüter.

Die Empfänger der Hilfsgüter sind u.a. das Behindertenheim Vasilievka, das Heim für psychisch kranke Menschen in Makanovichi, einige Sozialämter und auch 200 bedürftige Familien, die durch unsere Partnerorganisation betreut und unterstützt werden.

Der Transport ist bereits der sechste Hilfstransport in die Region Gomel, Belarus der von uns durchgeführt wurde. Insgesamt wurden in den letzten vier Jahren 76 t an Hilfsgüter geliefert, darunter 44 t Kleidung/Textilien, über 300 Rollatoren, 100 Rollstühle, mehrere Tonnen Schuhe und etwa 60 Krankenhausbetten.

Neues Lager erhält unsere Flexibilität

Vor einiger Zeit wurde bekannt, dass unser bisheriges Lager für sperrige Hilfsgüter in Salzbergen zukünftig nicht mehr zur Verfügung steht. Wir machten uns deshalb auf die Suche nach neuen Möglichkeiten. Eine große Menge an sperrigen Hilfsgütern wie Krankenhausbetten, Pflegetische, Rollstühle und Rollatoren wartet auf die Abholung. Deshalb sind wir sehr froh, eine neue Lagermöglichkeit bereits gefunden zu haben.

Dies ermöglicht uns auch weiterhin sperrige Hilfsgüter anzunehmen und bis zum nächsten Hilfstransport zu lagern.

Das Haus an der Dieselstraße in Salzbergen musste wegen einem Bauprojekt der H&R abgerissen werden. Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich bei den Verantwortlichen der H&R für die Bereitschaft, uns in unserer Arbeit zu unterstützen. Insbesondere für die Möglichkeit zur Nutzung des Hauses in den vergangenen Jahren.

Ohne diese Unterstützung könnten wir unsere Arbeit nicht machen!

Stop für Tereshkovichi-Projekt beschlossen

Nach vielen Jahren intensiver Arbeit und ungezählten Arbeitsstunden, die in dieses Projekt geflossen sind hat der Vorstand am vierten Februar diesen Jahres nach Abwägung aller Rahmenbedingungen während der Vorstandssitzung die Beendigung des Projektes beschlossen.

Bild 1 - Tereshkovichi

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge ist die Entscheidung zustande gekommen. Weinend, weil wir über die Jahre und insbesondere im letzten Jahr sehr viel Arbeit in dieses Projekt gesteckt haben und weil dieses Projekt unser ständiger Begleiter seit Gründung des Vereins war. Lachend, weil wir die begrenzten Zeitressourcen der Vorstandsmitglieder bald für andere gute Ideen nutzen können.

Bereits im letzten Jahr auf der Mitgliederversammlung stand die genaue Projektsumme fest: 300.000 € standen unter der erstmals umfassenden Kalkulation. Mit 65.000 € hatte das Projekt zusammen mit der irischen Organisation StudentAid Chernobyl vor 5 Jahren begonnen und war zu dem Zeitpunkt auch noch zu mehr als 60% finanziert.

Die Finanzkrise in Irland und die daraus resultierenden Veränderungen bei den beteiligten Personen haben damals dazu geführt, dass die Iren aus dem Projekt ausgestiegen sind. Der damalige Rückzug der Bank of Ireland aus der Finanzierung spielte natürlich auch eine große Rolle.

So haben wir seit diesen Veränderungen versucht,  dass Projekt alleine umzusetzen. Wir haben in diesen Jahren mit verschiedenen Partnerorganisationen zusammengearbeitet. Die Qualität der Kommunikation war dabei immer eine der entscheidenden Fragen für oder gegen eine weitere Zusammenarbeit. Immer wieder wurden wir vor die Frage gestellt, ob wir das Projekt weiterführen oder stoppen.

Im letzten Jahr wurde auf der Mitgliederversammlung beschlossen, die Arbeit am Projekt fortzuführen obwohl es viele Bedenken und offene Punkte gab. Entscheidender Grund war zu diesem Zeitpunkt, dass alle anstehenden Arbeiten reine Fleißarbeiten waren und kein Geld kosteten. Zu diesen Arbeiten zählte sowohl die Erstellung der Antragsunterlagen an die Stiftungen, als auch die eigentliche Stiftungsrecherche und die genaue Überprüfung und Zusammenfassung der vorliegenden Kalkulationen. Viele Fragestellungen mussten geklärt werden sowohl auf deutscher als auch auf belarussischer Seite.

Diese Arbeiten sind alle erledigt. Es liegen die Antragsunterlagen vor, die Kalkulation ist sauber und überprüft. Die Stiftungsrecherche hat stattgefunden aber leider nicht das Ergebnis gebracht, was man sich erhofft hatte. Die in Frage kommenden niederländischen Stiftungen arbeiten nur mit niederländischen Antragstellern zusammen. Bei den deutschen Stiftungen wurden nach einer Grobanalyse etwa 45 Stiftungen im Detail recherchiert. Auch hier waren leider keine wirklich passenden Kandidaten dabei, die in der Lage gewesen wären unser Projekt zu finanzieren.

Hier hätte man allerdings mit einer zweiten Recherche neue Ergebnisse bekommen können. An der Verbesserung der Kommunikation wurde im vergangenen Jahr intensiv gearbeitet. Seit Oktober letzten Jahres haben wir eine zusätzliche Ansprechpartnerin im Fond. Sie spricht deutsch und kennt unsere Projekte im Detail, weil sie uns als Dolmetscherin bei unseren vielen Reisen in den vergangenen Jahren begleitet hat.

Durch den ab dem Zeitpunkt besseren Austausch von Informationen ist uns allerdings sehr deutlich geworden, wie eingeschränkt die Ressourcen der handelnden Personen bei unserer Partnerorganisation sind. Die gesetzlichen Anforderungen an uns, Entscheidungen und Entscheidungswege in dem Projekt detailliert zu dokumentieren und für das Finanzamt nachvollziehbar darzustellen, schätzen wir als Vorstand auf Basis dieser neuen Informationen als derzeit unmöglich ein.

Bild 2 - Tereshkovichi

Aus unserer Sicht werden alle anderen Projekte und auch die Abwicklung unserer Hilfstransporte bei unserer Partnerorganisation ordentlich abgearbeitet. Wir wollen deshalb diese langjährige Zusammenarbeit nicht aufkündigen und nach neuen Partnern suchen, sondern die Projekte darauf begrenzen, was möglich und umsetzbar ist. Auch merken wir immer mal wieder, dass unsere Ressourcen manchmal an ihre Grenzen stoßen.

Wir werden uns zukünftig weiter auf unsere Hilfstransporte konzentrieren und kleinere, überschaubare Projekte anstoßen und umsetzen. Vorher ist für die Abwicklung des Projektes allerdings noch einiges an Arbeit notwendig.

Wir blicken voller Zuversicht auf die sich ergebenden Möglichkeiten, weil wir unsere Zeit in neue Ideen und Projekte investieren können.

Hilfstransport im April 2016

Transport verteilt ! Diese Meldung erreichte uns erst vor kurzem und schon sind wir wieder dabei, den nächsten LKW in Richtung Gomel zu planen.

Nachdem in den letzten Wochen innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an Kleidung und anderen Hilfsgütern bei uns eingegangen sind, haben wir den nächsten Transporttermin auf den 21. April 2016 festgelegt. Für den 23. April 2016 ist bereits eine Reise nach Belarus geplant und es bietet sich an, die Freigabe und Entladung des Transportes vor Ort zu begleiten.

Krankenhausbetten, Säuglingsbetten, Rollstühle, Rollatoren, Pflegetische und eine große Menge an Textilien und Schuhen werden mit dem LKW auf die etwa 1900 km lange Reise geschickt.

Zusätzlich zu den Hilfsgütern werden wir auch wieder die Möglichkeit haben, Privatpakete von deutschen Familien an belarussische Familien im Gomeler Gebiet mitzunehmen. Die konkreten Rahmenbedingungen dazu werden wir in den nächsten Wochen veröffentlichen. Für diejenigen, die dass Prozedere bereits kennen sei gesagt, dass keine großartigen Änderungen zu der Aktion im Oktober letzten Jahres zu verzeichnen sind.

Ein Sammeltermin wird rechtzeitig vorher festgelegt. Die bisherigen Interessenten an der Aktion werden per Email informiert.

Gegen das Vergessen

Kennen wir das nicht alle? Es geschieht eine schreckliche Katastrophe und nach einigen Wochen spricht niemand mehr davon? In den Medien ist das Interesse nach ein paar Wochen durch die ständige Aktualität der Berichterstattung schneller verdrängt als die Folgen der Unglücke überhaupt greifbar werden. Bei den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima war das nicht anders.

Wie die Folgen in der Realität aussehen, das können wir als aktiv Arbeitende am Rande der belasteten Gebiete in der Tschernobyl Region sehr gut beurteilen. Nicht aufgrund von Studien oder Statistiken, sondern aufgrund von persönlichen Erfahrungen aus fast zwanzig Jahren Reisen in diese Region. Der Kontakt mit den Menschen in den belasteten Gebieten, die  dahinter stehenden menschlichen Schicksale und Lebensgeschichten die wir während der vielen Jahre gesehen haben sprechen Bände.

Ein Grund für uns, uns auch mal mit der anderen Seite, der statistischen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema zu widmen.

“5 Jahre Leben mit Fukushima – 30 Jahre Leben mit Tschernobyl”, das war der Titel des Kongresses der IPPNW (IPPNW = Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/ Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) der Ende Februar in Berlin stattfand.

Quelle: IPPNW

Dr. Alex Rosen, Kinderarzt und Vorsitzender der deutschen IPPNW-Sektion, beschrieb in seiner Eröffnungsrede unter dem Titel „Leben mit der Bedrohung“ eindrucksvoll die Bilder, die viele von uns noch vor Augen haben als vor dreißig Jahren die Atomkatastrophe in Tschernobyl seinen Lauf nahm und vor fünf Jahren die Bilder aus Fukushima um die Welt gingen:

„Wir sind nicht bereit, zu vergessen – Den 26. April 1986: der brennende Reaktorrumpf, die hilflosen Rettungskräfte, junge Menschen aus der gesamten Sowjetunion, die mit bloßen Händen strahlende Schuttteile über das Dach des Reaktorgebäudes trugen – als menschliche Roboter, weil elektrische Geräte wegen der hohen Strahlung nicht funktionierten; die radioaktiven Wolken, die quer über Europa zogen – dem Zufall der Windrichtung folgend; Kinder mit Fehlbildungen, Menschen mit Krebs …

Wir sind nicht bereit, zu vergessen – Den 11. März 2011: Erst das Erdbeben, kurz darauf der gigantische Tsunami und dann die Meldung: “Im Atomkraftwerk Fukushima Dai-Ichi ist die Kühlung ausgefallen”. Ein Reaktor nach dem anderen explodiert – fliehende Menschen, Chaos, Verzweiflung, Babys, die mit Geigerzählern auf Strahlung untersucht werden, leere Geisterstädte, Kinder, die mit Strahlenmessgeräten zur Schule gehen oder auf ihre Schilddrüsenuntersuchung warten, Hügellandschaften aus blauen Säcken kontaminierter Erde und Menschen, die alles verloren haben und vor den Trümmern ihrer Existenz stehen.

Diese Bilder haben sich in unser Gedächtnis eingebrannt und können nicht ungeschehen gemacht werden. Sie dürfen nicht vergessen werden.“

Die Auswirkungen dieser beiden Katastrophen auf den Menschen und unsere Umwelt wurden in vielen Vorträgen und Podiumsdiskussionen thematisiert und diskutiert. Führende Wissenschaftler und Fachleute aus Deutschland, Großbritannien, Australien, Finnland, der Schweiz, den USA, Japan und Weißrussland stellten die neuesten Forschungsergebnisse vor. Die Auswirkungen der Strahlung auf die Gene, auf unsere Umwelt, auf die soziale Situation der Betroffenen in den belasteten Gebieten aber auch auf uns, die weit weg von den Unfallorten wohnen und leben wurde deutlich gemacht. Aber auch die hohen Risiken und Auswirkungen der gesamten atomaren Kette wurden intensiv beleuchtet und über Lösungen diskutiert.

Wir konnten für uns eine sehr wichtige Erkenntnis mitnehmen, nämlich dass unsere Erfahrungen über die gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastophe inzwischen in vielen Studien eindeutig nachweisbar sind.

Wir wollen in diesem Artikel keinen Kongress zusammenfassen, der ein ganzes Wochenende gedauert hat. Wir wollen hinweisen auf die vielen guten Vorträge und Präsentationen, die zum Thema auf der Webseite www.tschernobylkongress.de zum Download zur Verfügung stehen. Zusammengefaßt hat die IPPNW die Ergebnisse der vielen verschiedenen Studien im IPPNW Report “30 Jahre Leben mit Tschernobyl – 5 Jahre Leben mit Fukushima / Gesundheitliche Folgen der Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima”. Dieser ist ebenfalls auf der Webseite als Download erhältlich oder aber über diesen direkten Link www.ippnw.de/commonFiles/pdfs/Atomenergie/IPPNW_Report_T30_F5_Folgen_web.pdf.

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Es lohnt sich für alle die in diesem Gebiet tätig sind oder auch einfach nur interessiert sind, diesen Report zu lesen.

 

 

 

Fünfter Hilfstransport hat sein Ziel erreicht

Die Arbeit hat sich gelohnt ! Der Transport ist angekommen und die Freigabe durch das Ministerium für humanitäre Hilfe wird derzeit beantragt. Mit einer Verteilung der Hilfsgüter kann in ca. acht Wochen gerechnet werden.

Um diesen Transport zu ermöglichen, mußten viele Helfer viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit leisten, bis der LKW am 14.10.2015 in Salzbergen beladen werden konnte. Nicht nur das Packen der Kartons, sondern auch das Einlagern, Reinigen und Transportieren der Hilfsgüter bis zur Beladung erforderte viele helfende Hände.

Der LKW der Spedition Focko Lüpsen & Sohn war zu 15:00 Uhr bestellt. Bereits ab 10:00 Uhr wurden einige Helfer aktiv und bereiteten die Pflegebetten und Pflegetische auf den Transport vor und verluden diese auf einen 7,5 t LKW des DRK Elbergen, um diese „Just in Time“ am Verladelager anzuliefern.

Die etwa vier Stunden dauernde Beladung erforderte viel geschicktes Packen. Jede Ecke des LKW wurde genutzt, damit keine Luft, sondern Hilfsgüter transportiert werden. Sogar die Profis aus dem Zentrallager der H&R staunten nicht schlecht über die Packweise des Transportes und die komplette Ausnutzung jedes Hohlraums.

Am gleichen Abend wurden die Zollpapiere erstellt und am folgenden Tag machte sich Folkert Lüpsen, Inhaber der Spedition Lüpsen, mit seinem Kollegen Arno Kapels auf den Weg in Richtung Osten. Kleinere Unstimmigkeiten an der Grenze wurden gut durchgestanden und die geplante Ankunft in Gomel für Samstagnachmittag konnte eingehalten werden.

Ebenfalls am Samstag starteten der Vorsitzende des Vereins Thomas Küpker und sein Stellvertreter Johan Schmits in Richtung Gomel. Die Reise ging mit dem Flugzeug von Dortmund nach Vilnius in Litauen und dann am Sonntagmorgen mit dem Zug weiter nach Minsk. Am Bahnhof in Minsk wurden die beiden von unserem Dolmetscher und Fahrer Andrey Puseew mit dem Auto abgeholt und anschließend nach Gomel gebracht.

In Gomel angekommen gab es ein erstes Treffen mit Folkert Lüpsen und Arno Kapels, um den Ablauf des Transportes und der Grenzabfertigung und die Planung des folgenden Tages zu besprechen. Montags ab 9:00 Uhr bereiteten die Mitarbeiter unserer Partnerorganisation „White Dove over Chernobyl“ die Zollpapiere beim Zollhof vor. Gegen 11:00 Uhr erfolgte die Freigabe des LKW’s für die Entladung und gemeinsam ging die Fahrt direkt zum Zolllager.

Gute Organisation und der Einsatz eines Staplers halfen bei der Entladung. Nach etwa zweieinhalb Stunden waren alle Betten, Pflegetische, Rollstühle und Kartons entladen und eingelagert.

Nach alter Tradition gab es nach getaner Arbeit belegte Brote, Gurken und auch ein Gläschen Wodka. Der LKW wurde bis zur Autobahn begleitet und machte sich auf den Rückweg nach Deutschland.

Für unsere Partner in Gomel fängt die Arbeit jetzt erst richtig an. Die Freigabe zur Verteilung des Transportes wird etwa acht Wochen dauern. Das Zählen, Wiegen und Dokumentieren der Hilfsgüter muss in akribischer Kleinarbeit durchgeführt werden. Erste zusätzlich benötigte Dokumente wurden bereits am nächsten Tag erstellt.

Insgesamt konnten 12,8 t Hilfsgüter entladen werden. Darunter 17 gut erhaltene Pflegebetten, 26 Pflegetische und über 30 Rollstühle, Kinderwagen, Gehhilfen und etwa 6,5 t an Kleidung und Textilien.

Über einhundert Privatpakete von Gastfamilien aus der Grafschaft und dem Emsland waren auch auf dem LKW. Diese werden durch unsere Partnerorganisation nach Freigabe der Hilfsgüter an die Empfängerfamilien im Gomeler Gebiet verteilt.

Getreu dem Motto „Nach dem Transport ist vor dem Transport !“ sammeln wir weiter und arbeiten auf den nächsten Transport hin.

Unser Dank gilt den vielen Helfern und Unterstützern, die uns diese Hilfeleistung erst ermöglichen.